Wintertourismus

Wer hat’s erfunden?

Von Helene Fuchs · 2014

Die Schweizer Berge sind heute mehr denn je ein Touristenmagnet.

Die Schweizer natürlich.
Die Rede ist vom Wintertourismus,
der in dieser Saison 150. Jubiläum feiert und
in St. Moritz seinen Ursprung hat.

Streng genommen waren es nicht die Schweizer, die den Wintertourismus erfunden haben, sondern die Engländer. Denn alles begann damals, vor 150 Jahren, mit einer Wette. Der erste Besitzer des legendären Hotels «Kulm», Johannes Badrutt, hatte es sich 1864 auf die Fahne geschrieben, Engländer aus dem nebligen London hoch in die Schweizer Berge, in das winterliche St. Moritz, zu locken, um in den kalten Monaten etwas gegen die miserable Bettenauslastung zu tun. Schliesslich sei das Klima hier viel angenehmer und die Sonne würde sich täglich blicken lassen. Es kostete dann doch etwas mehr Überzeugungskraft: So versprach der Hotelier dem Besuch aus England, ihnen die Reisekosten zu erstatten, wenn ihnen der Aufenthalt nicht zusagen würde. Andernfalls könnten sie bleiben, so lange sie wollen.

Vom Bergdorf zum mondänen Hotspot

Wette angenommen: Zu Weihnachten reisten die Gäste an, genossen frische Luft und Sonne, und erst zu Ostern kehrten sie gut erholt auf die Insel zurück. Die ersten Wintertouristen der Alpen kamen, mit Freunden im Gepäck, auch in den darauffolgenden Wintermonaten in das beschauliche Bergdorf St. Moritz. Die Erfolggeschichte des Wintersports nahm seinen Lauf. Selbst durch zwei Weltkriege liess sie sich nicht aufhalten. Filmstars wie Charlie Chaplin, der Schah von Persien, die Onassis – die Liste der Prominenz, die auch Teil des Wintersportbooms sein wollten und heute noch sind, ist lang. 

Paradies für Wintersportler

Die Schweizer Berge sind heute mehr denn je ein Touristenmagnet. Die überzeugenden Argumente:  7'400 Kilometer markierte Skipisten, 5'500 Kilometer markierte Langlaufpisten, rund 5'150 Kilometer Winterwanderwege und 29 Skistationen auf über 2`800 Metern über Meer. Für die aktuelle Wintersaison wird mit rund zwei Prozent mehr Hotelübernachtungen gerechnet als im Vorjahr – so lautet die Prognose des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Vorausgesetzt, es herrschen bessere Schnee- und Witterungsbedingungen als in der letzten Saison. Gästeaufkommen und Angebot erfordern heutzutage einen Spagat zwischen Quantität und Qualität, den St. Moritz und all die anderen Bergdestinationen der Schweiz recht gut meistern – hoffentlich auch in den nächsten 150 Jahren. 
Auch Johannes Badrutt hätte bestimmt seine wahre Freude an den anstehenden Feierlichkeiten in den Schweizer Bergen und am noblen St. Moritz mit seinen fünf luxuriösen Grandhotels, das jeden Winter Gäste anlockt. Heute kommen sie aus aller Welt – sogar aus Südostasien und Brasilien. Das hätte sich der Hotelier damals bestimmt nicht träumen lassen.