Gotthard-Basistunnel

Stolz der Schweiz eröffnet 2016

Von Jens Bartels · 2015

Mit 57 Kilometern Länge wird der Gotthard-Basistunnel den Titel des längsten Eisenbahntunnels der Welt tragen. © AlpTransit Gotthard AG

Im nächsten Jahr ist es endlich soweit:
Dann wird der längste Eisenbahntunnel der Welt in Betrieb genommen. Der neue Gotthard-Basistunnel ist ein Jahrhundertprojekt.

Ein ganz besonderes Ereignis elektrisiert Bahnreisende rund um den Globus: Am 1. Juni 2016 wird mit einem Staatsakt der Gotthard-Basistunnel eröffnet. Er verbindet Erstfeld im Kanton Uri mit Bodio im Kanton Tessin. Es ist ein Bauwerk der Superlative, das zeigt allein der Blick auf die Dimensionen des Projektes. Mit 57 Kilometern Länge wird der Gotthard-Basistunnel den Titel des längsten Eisenbahntunnels der Welt tragen. Er ist über drei Kilometer länger als der bisherige Rekordhalter in Japan und sogar sieben Kilometer länger als der Eurotunnel unter dem Ärmelkanal zwischen England und Frankreich.

Technische Glanzleistung

Was das neue Bauwerk vom im Jahre 1882 in Betrieb genommenen alten Gotthardtunnel unterscheidet, ist nicht nur die Länge, sondern auch die Tiefe, Gradlinigkeit und Ebenerdigkeit der Strecke. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von einer Flachbahn. Der Basistunnel weist praktisch keine Steigungen auf, auch enge Kurven gehören bei einem Scheitelpunkt von 550 Metern über dem Meeresspiegel der Vergangenheit an. Mit einer Felsabdeckung von bis zu 2'300 Metern bis zu den Gipfeln des Gotthardmassivs ist der Bau übrigens auch der am tiefsten unter Tag liegende Eisenbahntunnel der Welt. Über 12 Milliarden Franken wurden für das Mammutprojekt veranschlagt. Dabei gilt: Ohne eine langfristig gesicherte Finanzierung sowie die bestmögliche Absicherung des Baurisikos durch eine leistungsfähige Versicherung wäre ein Bau in dieser Grössenordnung gar nicht möglich gewesen.
Insgesamt wurden 28,2 Millionen Tonnen Stein herausgebrochen. Mehr als 2'400 Menschen waren zu Spitzenzeiten für diese ingenieur- und bautechnische Meisterleistung auf der Baustelle, über 15 Jahre arbeiteten sich die Mineure durch den Felsen. Sie bauten ein aus zwei richtungsgetrennten Röhren bestehendes jeweils einspuriges Tunnelsystem. Alle 325 Meter verbinden Querschläge die beiden parallelen Tunnelröhren. Bei einem Notfall sind somit Fluchtwege schnell erreichbar. Zwei Spurwechsel ermöglichen, dass Züge jeweils die andere Röhre erreichen können. 

Schnellste Nord-Süd-Verbindung

Auch mit Blick auf die Schweizer Verkehrspolitik ist dieses Projekt ein Meilenstein und hat zugleich enorme Bedeutung für das europäische Eisenbahnnetz. Denn der Basistunnel bildet das Herzstück der neuen Eisenbahn-Tranversale durch die Alpen. Davon profitieren sowohl der Personen- als auch der Güterverkehr. 
Zunächst zum Personenverkehr: Nach dem Abschluss der Arbeiten auf der gesamten Gotthard-Achse samt Tunnelröhre durch den Lötschberg und dem Ceneri-Basistunnel wird sich die Fahrtzeit zwischen Zürich und Lugano ab dem Jahr 2020 um 45 Minuten verkürzen. Passagiere werden für diese Strecke dann nur noch rund zwei Stunden benötigen. Schon ab 2016 spüren Reisende schrittweise die Verkürzung der Reisedauer. Im neuen Gotthard-Basistunnel fahren Personenzüge in der Regel bis zu 200 Stundenkilometer; möglich sind künftig sogar Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern. 
Dank des neuen Basistunnels steigen auch die Kapazitäten im Güterverkehr deutlich an: Es können künftig täglich bis zu 260 statt der bisherigen 180 Güterzüge das Gotthardmassiv durchqueren. Zugleich erlaubt die Flachbahn längere Züge mit grösserem Gewicht, weniger Loks und kürzeren Fahrzeiten. So steigen Effizienz und Zuverlässigkeit im Schienengüterverkehr. Insgesamt geht die Bedeutung des Gotthard-Basistunnels weit über die Schweiz hinaus, denn mit dem Bau wird eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Europas gestärkt.