Wirtschaft

Ohne Fleiss kein Preis

Von Nadine Effert · 2015

«Wer hat’s erfunden?» Mit diesem Slogan startete ein bekannter Schweizer Bonbonhersteller 1998 seine Werbekampagne – und mittlerweile ruft jeder von San Francisco bis Shanghai: Die Schweizer! Ausser vielleicht die Eidgenossen selbst, denn extrovertiertes Eigenlob steht mitnichten auf der Tugendliste.

Dafür jedoch der Nationalstolz, wie die jährlich durchgeführte Umfrage des Forschungsinstituts gfs.bern im Auftrag der Credit Suisse zu Tage brachte. Laut «Sorgen- und Identitätsbarometer 2014» sind 90 Prozent der Bevölkerung stolz darauf, Schweizerin oder Schweizer zu sein – eine erneute Rekordmarke. 

Wirtschaft stiftet Identität 

Doch warum sind wir Eidgenossen so zufrieden? Neben Sicherheit und Wohlstand sind es vor allem die wirtschaftlichen und politischen Stärken der Alpenrepublik. Nehmen wir doch mal die Wirtschaft genauer unter die Lupe: Hier sind es die Uhrenindustrie (96%), der internationale Qualitätsruf (95 %), die starken Schweizer Marken (95 %), erfolgreiche kleine und mittlere Unternehmen KMU (94 %), die Maschinenindustrie (94 %), Forschung (91 %), Pharmaindustrie (89 %), Service-Public-Unternehmen (82%) und die Innovationskraft (89 %), mit denen wir uns mit geschwellter Brust identifizieren. Der wachsende Nationalstolz geht dabei Hand in Hand mit einer Rückbesinnung auf traditionelle Schweizer Werte wie Verlässlichkeit, Qualität und Fleiss. Nicht zu vergessen, dass unser Land seit jeher eine Brutstätte für innovative Ideen – natürlich nicht nur im Bereich Süssigkeiten – ist, die wiederum der Nährboden für unsere Wirtschaft sind. 

Ein Land der Erfinder

Laut «Global Innovation Index (GII) 2014» ist die Schweiz das innovativste Land der Welt – und das zum vierten Mal in Folge. Noch ein Grund mehr, stolz zu sein. Vor allem beim Innovations-Output – dazu gehört unter anderem der Anteil an Hightech-Firmen und -Exporten sowie die Zahl der Firmengründungen und Patentanmeldungen – hat die Schweiz klar die Nase vorn. Aber auch die hohen Investitionen in Forschung & Entwicklung der Unternehmen sowie die enge Vernetzung zwischen den Hochschulen und der Wirtschaft haben zu dieser Spitzenplatzierung einen wesentlichen Beitrag geleistet. Fakt ist aber auch, dass die Schweiz am Ball bleiben muss, dokumentiert diese Platzierung doch lediglich die Früchte der Vergangenheit. 

«Best of» fördern

Was es braucht, sind Unternehmen, die mutig genug sind, gegen den Strom zu schwimmen und die gewillt sind, sich nicht nur innert der Grenzen, sondern auch global im Wettkampf um die besten Produkte und Dienstleistungen zu messen. Und es braucht optimale gesetzliche Rahmenbedingungen und eine gute Vernetzung von Wirtschaft und Hochschulen, damit das Schweizer Innovationspotenzial sich weiter entfalten kann. Nicht zuletzt ist die Förderung von Innovationen, wie sie zum Beispiel der Bund über die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) betreibt, ein wichtiger Treiber. Im Jahr 2013 vergab die KTI Subventionen in Höhe von 125 Millionen Franken für die Entwicklung innovativer Produkte für den Markt. Ihr Pendant im Bereich nichtkommerzieller Grundlagenforschung, der Schweizerische Nationalfonds (SNF), liess 771 Millionen Franken springen. 

Für die Zukunft wappnen

Innovationen bringen aber auch neue Herausforderungen mit sich, wie das Beispiel Digitalisierung im Finanzwesen zeigt. Immer mehr steht dabei der Kunde im Fokus, für den Lösungen gefunden werden müssen, die einen Komfortgewinn oder einen echten Mehrwert bieten – immer mit einem wachsamen Auge auf die Sicherheit. Hier brauchen Banken einen kompetenten Partner, da vielen Instituten das Know-how, insbesondere im Bereich IT, fehlt oder sie sich auf ihr Kerngeschäft besinnen wollen. Zum Glück kommt auch hier der berühmt-berüchtigte Schweizer Erfindergeist zum Vorschein: Innovative Lösungen von KMU und Start-up-Firmen aus der ICT-Branche sind sogar weit über die Landesgrenzen hinweg erfolgreich. Auch hier gilt immer öfter: «Wer hat's erfunden?». Die Schweizer natürlich!