ICT-Markt

Mit frischem Wind an die Spitze

Von Wiebke Toebelmann · 2015

Die Schweiz hat ein hohe Dichte an Data Centers.

Der ICT-Markt in der Schweiz könnte sich zu einem der bedeutendsten in ganz Europa entwickeln. Das Land ist auf dem besten Wege, sein riesiges Potenzial endlich auszuschöpfen.

Es mag auf den ersten Blick nicht so scheinen, aber der ICT-Sektor hat sich auch in unserer kleinen Alpenrepublik zu einer wertschöpfungstreibenden Schlüsselbranche gemausert. Sie ist in unserer Wirtschaft zu einer festen Grösse mit stets zufriedenstellenden Zahlen geworden. Laut dem Wirtschaftsverband für die Digitale Schweiz Swico verzeichnete der ICT-Bereich im vergangenen Jahr ein moderates Wachstum: Ohne den Telekommunikationssektor wuchs der Umsatz 2014 um 2,7 Prozent auf 18,3 Milliarden Franken. Der Gesamtumsatz – Telekom eingeschlossen – betrug 30,4 Milliarden Franken. So erfuhr der ICT-Markt mit einer sanften Steigerung von 1,6 Prozent ein besseres Wachstum als die Europäische Union. Der Umsatz der beiden Segmente Software und IT-Services erwirtschaftete ganze 15,3 Milliarden Franken. Mit drei Milliarden Franken – also einem Minus von 2,7 Prozent – fiel der Hardware-Bereich hingegen ein wenig zurück. 

Das Land der Rechenzentren

Reichen solche Zahlen aus, um gleich begeisterte Loblieder auf die Schweizer ICT-Branche zu singen? Zunächst vielleicht nicht. Doch bei genauerem Hinsehen vielleicht doch: Die Schweizer ICT-Landschaft birgt noch immer ungeheuer viel Potenzial, und das Wachstum erfolgt – typisch Schweiz – eben eher allmählich und unaufgeregt, dafür aber konstant. Und was macht die Eidgenossenschaft als ICT-Standort interessant? Nicht zuletzt wieder einmal die zentrale Lage, die nicht nur etwa für das Bankwesen vorteilhaft ist, sondern auch mehr und mehr zur digitalen Drehscheibe wird. Ein Beispiel ist die Zahl der Rechenzentren in dem kleinen Land: Nur Irland weist eine höhere Dichte an Data Centers auf, und ständig schiessen neue wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden. Abgesehen von der strategisch günstigen Lage bietet die Schweiz attraktive Faktoren wie die politische Stabilität, ein hohes Bruttosozialprodukt und angenehme Steuerkonditionen. 

Förderung von Start-up-Unternehmen

Doch nicht nur als Standort punktet die Schweiz, sondern auch in Sachen Innovation. Denn wie beispielsweise in den Bereichen Life Sciences, Pharma oder Medizintechnik wird der Schulterschluss zwischen Akademie und Industrie gross geschrieben. So verfügen Schweizer Hochschulen nicht nur über exzellente Studiengänge, sondern sie fördern auch oftmals ihre Absolventen bei der Gründung eigener Unternehmen. An guten Ideen fehlt es freilich nicht. Doch ist es nicht immer ganz leicht für IT-Start-ups in der Schweiz: Zu sehr wird die Branche von Grossunternehmen und Dienstleistern dominiert. Das heisst etwa, dass die grössten Schweizer IT-Organisationen Teile von Banken oder Versicherungen sind. Dennoch: Die Zahl der KMU, die eigene Entwicklungen hervorbringen, wächst. Und auch das internationale Interesse wird grösser, wie einzelne Erfolgsgeschichten deutlich illustrieren. Woran es jedoch nach wie vor fehlt, sind erfolgreiche Internetfirmen, da diese laut Experten oftmals zu zaghaft bei der Expansion vorgehen, oder denen es schlichtweg an Kapital mangelt. Gefragt sind hier aber auch die Start-up-Unternehmer selbst: Sie müssen bereit sein, aggressiver vorzugehen und gegebenenfalls auch Teile ihrer Firma an eine grössere zu verkaufen. Aber die Schweiz tut viel, um dem frischen Wind junger Unternehmer auch ein Segel zu geben. Ein prominentes Beispiel ist der Swiss ICT Award, der seit seiner Geburt im Jahr 2008 stetig an Bedeutung gewonnen haben. Ziel der Veranstaltung, bei der herausragende IT-Leistungen gekürt werden, ist die Förderung des Unternehmertums der ICT-Branche. 

Vorsprung bei der IT-Sicherheit

Förderung der Jungen hat in der Schweiz genauso Tradition wie Wertetreue: Werte wie Verlässlichkeit, Diskretion und Sicherheit gehören zum berühmten Qualitätsanspruch. Das gilt auch für die IT: So verfügen Schweizer Banken etwa über die weltbesten IT-Security-Systeme, was sie zwar nicht gänzlich vor Cyber-Attacken schützt, sie aber im internationalen Vergleich hervorragend dastehen lässt. Was den Export von IT-Sicherheitssystemen betrifft, ist noch Luft nach oben: Die Schweizer Standards sind vielen anderen Ländern schlicht noch zu hoch angesetzt. Doch in Zeiten von Hackerangriffen und Spionage wird deren Bedeutung zwangsläufig steigen. Nur eines von vielen Feldern, in denen das ICT-Land Schweiz noch viel gewinnen kann.