Kunst

Land der Museen

Von Alexandra Grossmann · 2015

Fondation Beyeler, erbaut von Renzo Piano (Foto: Mark Niedermann)

So klein das Land, so gross die Vielfalt:
In der Schweiz gibt es Museen für fast jeden Geschmack.

Die Museen in der Schweiz sind beliebt: Seit 1950 hat sich ihre Anzahl mehr als verdreifacht, heutzutage zählt die Schweiz über 900 Museen. Kein Wunder, denn das Land legt grossen Wert auf Kunst und Kultur und hat die Museumslandschaft sukzessive ausgebaut. Jedes Jahr bessuchen nun seit 2009 rund 18 Millionen Besucher die eidgenössischen Sammlungen, Galerien und Kunsthallen.
Die Beliebtheit hat ihre Gründe: Hier begegnen sich Jung und Alt, Vergangenes verbindet sich mit Neuem, Vergangenheit und Gegenwart, bilden das Verständnis für die gemeinsame Kultur. Je nach Art und Ausrichtung des Museums trägt es zur Bildung bei, die Besucher lernen viel über Naturkunde, Evolution und Technik oder erleben Kunst hautnah. Die Möglichkeit, Dinge im Museum über Kopfhörer oder Film, durch Lesen oder einfach Schauen zu begreifen spricht die Sinne an, sodass Wissen sich gut einprägt.

Werke der klassischen Moderne

Die Hauptstadt der Museen ist Basel: Mit seinen 40 Einrichtungen hat die Stadt die meisten Museen im Land, darunter das Kunstmuseum mit der grössten und bedeutsamsten öffentlich zugänglichen Kunstsammlung der Schweiz. Zu seinen Schätzen zählt die weltweit grösste Holbein-Sammlung; erst Mitte Mai dieses Jahres kaufte das Museum eine Werkgruppe von Gerhard Richter im Wert von mehreren Millionen Franken. Das meistbesuchte Museum der Schweiz – und eines der bedeutendsten der klassischen Moderne – ist mit jährlich 340¬000 Besuchern die Fondation Beyeler. Es zeigt eine beeindruckende Sammlung, die das Ehepaar Beyeler zusammengetragen hat. In Basel ist auch das Karikaturmuseum angesiedelt. Es vereint 3`300 Originalwerke und 200 Leihgaben von über 700 Künstlern aus der ganzen Welt: Karikaturen, satirische Darstellungen, Parodien und Cartoons zum Nachdenken oder Schmunzeln.
Das Kunsthaus Zürich ist eines der bedeutenden Kunstmuseen der Schweiz. Es besitzt eine umfangreiche Sammlung von Exponaten aus dem 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart, zudem zeigt es regelmässig Sonderausstellungen. Eine der grössten kulturgeschichtlichen Sammlungen findet sich im neogotischen Schloss des Schweizerischen Landesmuseums mit Baujahr 1987. Die Sammlung umfasst alle Epochen der Schweizer Geschichte von Ur- und Frühgeschichte bis hin zur Neuzeit. Weit über die Kunstszene hinaus bekannt ist seit 2008 das Zürcher Museum der Stiftung E. G. Bührle: Damals überfielen drei bewaffnete Täter das Museum und erbeuteten vier Gemälde im Wert von 180 Millionen Franken, darunter «Der Knabe mit der roten Weste» von Paul Cézanne und «Blühende Kastanienzweige» von Vincent van Gogh aus der bedeutenden Sammlung, die der in Zürich lebende Industrielle Emil Georg Bührle zusammengetragen hat. Die Tat gilt bis heute als grösster Kunstraub Europas. 

Bedeutsam in ganz Europa

Ein besonderer Anlaufpunkt ist das Musée de l`Elysée in Genf. Das Haus zeigt insbesondere schweizerische, aber auch internationale Fotografen, unter ihnen Ella Maillart, Rudolf Schlemmer und Ernst Landrock sowie der Italiener Mario Giacomelli oder Francis Frith aus England. Auch Klassiker wie Annie Leibovitz oder Richard Nixon sind hier ausgestellt. 
Das Museum der Kulturen liegt in Basel am Münsterplatz und gilt als das grösste Museum seiner Art in der gesamten Schweiz. Es verfügt über mehr als 300`000 Exponate und ebenso viele Fotografien, die teilweise zu den bedeutsamsten ganz Europas gehören.
Von grosser Bedeutung für die Kunst ist auch die Stadt Winterthur. Mit mehr als 18 musealen Einrichtungen trägt sie den Beinamen «Stadt der Museen». Sehenswert ist das Kunstmuseum Winterthur nahe des Hauptbahnhofs mit einer Sammlung, deren Schwerpunkt auf dem ausgehenden 19. Jahrhundert liegt, und das Fotomuseum, das sich auf dieses Medium als Kunstelement fokussiert hat. Berühmt ist die Sammlung Oskar Reinhart: Sie umfasst etwa 600 Werke bekannter alter Meister und französischer Impressionisten sowie deutsche, österreichische und schweizerische Kunstwerke des 19. Jahrhunderts, welche die Kaufmannsfamilie Reinhart um 1900 zusammentrug. 
In Bern ist besonders die bereits 1918 eröffnete Kunsthalle hervorzuheben, in der bekannte Künstler wie Paul Klee, Henri Matisse sowie der Verpackungskünstler Christo ihre ersten Ausstellungen hatten. Hier fanden auch unter anderen Einzelausstellungen von Sol LeWitt und Alberto Giacometti statt. Interessant und sehenswert sind zudem das Zentrum Paul Klee sowie das Kunstmuseum Bern: Es ist das älteste Kunstmuseum in der Schweiz und bietet eine Sammlung von Kunstwerken aus acht Jahrhunderten.