Gütesiegel

Gutes Gewissen kaufen

Von Nadine Effert · 2014

ASC, Coop Naturaplan oder Gold Standard – immer häufiger schmücken Umweltlabels Lebensmittel, Möbel oder gar Reisen.
Doch was steckt hinter den bunten Aufklebern?
Und sind alle Labels glaubwürdig?

Einst zierten sie nur Produkte in Bioläden und Reformhäusern, heute gibt es sie inzwischen für fast alle Produktgruppen: Umweltlabels. Egal ob in der Hose, auf der Kaffeepackung oder auf dem Kühlschrank, die kleinen Etiketten dienen allesamt dazu, den Konsumenten zu informieren und seine Entscheidung hinsichtlich einer nachhaltigen Einkaufs zu unterstützen, indem gewisse, nachhaltige Qualitätsmerkmale unterstrichen werden. Selbst die Tourismusbranche reagiert auf umweltbewusste Gäste. Etwa mit dem «EU-Umweltlabel für Beherbergungsbetriebe», das Unternehmen unter anderem dazu verpflichtet, ihren Energie- und Wasserverbrauch zu senken, weniger Abfall zu produzieren und regionale Produkte zu verwenden.

«Labels mit Zertifizierung sind besonders vertrauenswürdig»

Ob für Produkte oder Dienstleistungen, mit der Vergabe des Labels müssen bestimmte, klar definierte Kriterien erfüllt werden. Doch worin besteht der Anreiz für Hersteller und Dienstleister? Zum einem signalisieren sie nach aussen, dass sie ihrer Verantwortung gegenüber der Umwelt nachkommen. Kaum ein Unternehmen kann es sich heutzutage leisten, das Thema Nachhaltigkeit auszuklammern. Darüber hinaus geht es bei der Herstellung umweltverträglicher Produkte natürlich auch um die Gewinnung jener Käufergruppe, die gerne umweltfreudliche Artikel in ihren Warenkorb legt.

An Labels fehlt es nicht

Die Zahl der Gütesiegel steigt kontinuierlich. So ist es für Herrn und Frau Schweizer nicht immer einfach, sich im Dschungel der Umweltfreundlichkeit suggerierenden Produkte zurechtzufinden. Allein im Bereich Lebensmittel gibt es bereits weit über 50 Labels, die Produkte nach der Art der Tierhaltung oder Herkunft beziehungsweise als Bio deklarieren.
Fakt ist: Gütesiegel ist nicht gleich Gütesiegel. Jedes Nachhaltigkeits-Label deckt klar definierte Kriterien ab, die in einem partizipativen Prozess generiert, regelmässig überarbeitet sowie - im Idealfall - durch eine unabhängige Kontrollstelle geprüft werden. Mögliche Ziele: Verzicht auf Kinderarbeit, Verwendung erneuerbarer Energien, Einsatz schadstoffarmer oder recycelter Materialien, faire Handelsbeziehungen oder die Reduktion von Umweltbelastungen wie den CO₂-Ausstoss. So trägt zum Beispiel die Stromproduktion 37 Prozent zum weltweiten CO₂-Ausstoss bei und ist somit einer der wichtigsten Faktoren für die globale Klimaerwärmung. In diesem Fall garantieren Labels, wie etwa die Energieetikette, TCO oder Blauer Engel, energiesparende Geräte und Ökostrom für mehr Klimaschutz.
Neben staatlichen Gütesiegeln gibt es auch solche von Verbänden und Organisationen sowie firmeneigene Labels, wie Coop Naturafarm oder Migros Bio. Weiterhin sind Labels mit und ohne Zertifizierung zu unterscheiden. Bei einer Zertifizierung wird das sogenannte «Vier-Augen-Prinzip» gewährleistet, wonach eine unabhängige Instanz die Kontrollergebnisse nochmals überprüft. Zertifizierte Labels geniessen dementsprechend eine hohe Glaubwürdigkeit beim Konsumenten.

Vertrauen ist gut …

Doch welchen Labels kann ich als Konsument überhaupt vertrauen? Dieser Fragestellung hat sich die Informationsplattform «Labelinfo.ch», die von der Stiftung «Praktischer Umweltschutz Schweiz PUSCH» betrieben wird, kürzlich gewidmet und die Glaubwürdigkeit der 145 wichtigsten Labels unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die Glaubwürdigkeit der für den Schweizer Markt relevanten Labels ist grundsätzlich hoch - mit kleinen Abstrichen. Nur 16 Labels erreichten die maximale Punktzahl. Das heisst: Bei allen anderen besteht mehr oder weniger Verbesserungsbedarf. Insbesondere in der Produktgruppe Tourismus, was daran liegt, dass die meisten branchenrelevanten Labels auf eine unabhängige Prüfung verzichten. Besonders gut hingegen schnitten Labels im Food-Bereich ab. Diese und andere als vertrauenswürdig eingestufte Gütesiegel zeichnen sich nicht nur durch ein Zertifizierungs- und Kontrollsystem aus, sondern auch durch Transparenz.

Durchblick beim ökologischen Fussabdruck

Mehr Transparenz wird ebenfalls in Sachen ökologischer Fussabdruck von Produkten gefordert. Im Bereich Lebensmittel nimmt sich dieser Aufgabe seit vergangenem Jahr die landwirtschaftliche Forschungsanstalt des Bundes (Agroscope) mit dem Projekt «World Food LCA Database» an. Die Datenbank soll mit über 200 Datensätze zu verschiedenen landwirtschaftlichen Kulturen und tierischen Produkten sowie deren Verarbeitungs-, Lagerungs- und Transportprozessen informieren. Bleibt zu hoffen, dass die Erkenntnisse zur Ökobilanz auch auf den jeweiligen Verpackungen und somit direkt beim Konsumenten landen.