Corporate Social Responsibility

 Einsatz ist „in“

Von Wiebke Toebelmann · 2014

Gemeinnütziges Engagement sollte aus ehrlichen und edlen Motiven erfolgen und allein dem guten Zweck dienen – so die Theorie. Doch wie sieht es in der Schweiz aus?

Die wohlhabenden Eidgenossen geben gerne mal etwas ab: Tatsächlich hat Wohltätigkeit eine lange Tradition und liegt nach wie vor im Trend. So «boomen» beispielsweise Stiftungen: In unserem kleinen Land gibt es ganze 13`000 Stiftungen, und jedes Jahr kommen rund 300 dazu. Bei etwa 7`500 von ihnen handelt es sich um Förderstiftungen, die zusammen eine Milliarde Franken im Jahr ausschütten. Und auch die Schweizer Unternehmen verstehen sich als verantwortungsvolle Bürger, die ihren Beitrag zum Funktionieren der Gesellschaft beitragen möchten.

Unternehmen wollen Gutes tun

Das belegen zumindest Zahlen der ETH Zürich: Drei Viertel der Unternehmen setzen sich demnach für soziale Belange ein. Dieses Engagement erfolgt durch die unterschiedlichsten Massnahmen: Sei es ganz klassisch durch Spenden, kostenlose Schulungen, die Bereitstellung ihrer Infrastruktur für bestimmte Projekte oder die Freistellung von Mitarbeitern für ehrenamtliche Tätigkeiten (Corporate Volunteering) - übrigens eine Praxis, die in der Schweiz viel verbreiteter ist als in Deutschland oder den USA. In der Befragung gab die Mehrheit der Betriebe obendrein an, ihren wohltätigen Einsatz in den kommenden Jahren beibehalten und ausbauen zu wollen.
Und wofür engagieren sich die Schweizer Unternehmen? Am liebsten für den Sport (71 Prozent), dann die Kultur (59 Prozent), den Bildungssektor (53 Prozent) und das Sozialwesen (38 Prozent). Und dabei kommt es nicht einmal auf die Grösse des sich engagierenden Unternehmens an: Aus der ETH-Studie ging kein Unterschied hervor zwischen KMU und grösseren Firmen mit mehr als 250 Beschäftigten.

Eigennutz? Nicht in der Schweiz!

Ohne Frage: Gesellschaftliches Engagement ist für Unternehmen nicht unbedingt ein wirtschaftlicher Zugewinn, dient aber der Imagepflege, so dass sich dies indirekt durchaus wieder positiv in den Erfolgsbilanzen widerspiegeln kann. Allzu viel Berechnung steht aber laut der Umfrage tatsächlich nicht hinter dem gemeinnützigen Engagement: Denn 72 Prozent der Unternehmen gaben an, aus ihren Aktivitäten keine Gewinnerwartung auszurechnen. Strategisch ausgerichtetes Sozialengagement? Fehlanzeige. Aber es schadet dabei keineswegs, wenn das Engagement auf einer Ebene stattfindet, die quasi institutionalisiert und in der Unternehmensphilosophie und -strategie fest verankert ist. Und zwar genau dann, wenn es sich um Langzeitprojekte handelt, bei denen mehr als der sprichwörtliche «Tropfen auf den heissen Stein» benötigt wird.

Grosse Hilfe für grosse Ideen

Sozialunternehmertum - oder «Social Entrepreneurship» - findet ebenfalls in der Schweiz viel Anklang und wird etwa durch die weltweit agierende Organisation Ashoka unterstützt, einer 1980 in den USA gegründeten Non-Profit-Vereinigung. In der Schweiz ist sie seit 2007 aktiv. Als sogenannte «Fellows» in die Förderprogramme aufgenommen werden all jene Personen und Organisationen, die mit einem innovativem Konzept zur durchgreifenden Lösung eines gesellschaftlichen Problems überzeugen und kreativ und unternehmerisch denken. Die geförderten Sozialunternehmer in der Schweiz setzten sich beispielsweise für Menschenrechte und Fairtrade-Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern ein, aber auch für Lernförderung von Kindern auf lokaler beziehungsweise schweizweiter Ebene. Ashoka selbst finanziert seine Aktivitäten aus Partnerschaften mit Privatunternehmen. Diese haben die Möglichkeit, das Sozialunternehmertum oder direkt einzelne Vorhaben der «Fellows» zu unterstützen in Form von Mäzenatentum oder mit einer Stiftung.

Freiwilligenarbeit leicht gemacht

Ein Beispiel für den Schulterschluss, den Einzelpersonen, gemeinnützige Organisationen und Wirtschaftsunternehmen eingehen können. Rund ein Viertel der Bürger leisten übrigens Freiwilligenarbeit. Wer sich privat engagieren möchte, hat hierzulande beste Voraussetzungen. Im Zuge eines Strukturwandels ist in der ehrenamtlichen Arbeit nämlich ein neues Tätigkeitsfeld entstanden, welches sich «Freiwilligenmanagement» nennt: Anwerbung, Betreuung und Ausbildung werden professionell geregelt. Entsprechende Fachstellen gibt es schon bei diversen Organisationen, wie etwa beim Schweizerischen Roten Kreuz oder der Caritas. Ausserdem wurden in verschiedenen Städten Vermittlungsstellen eingerichtet, zu deren Aufgaben auch die Öffentlichkeitsarbeit gehört. Die Schweiz zeigt sich also mal wieder bestens organisiert - auch in Sachen Wohltätigkeit.