E-Banking

Die Bank in der Hosentasche

Von Tobias Lemser · 2015

Das Schweizer Finanzwesen steckt beim Sparen, Bezahlen und Finanzieren voller Innovationen. Hierbei von besonderer Bedeutung sind qualitativ hochwertige Digitalisierungs­modelle.

Was waren das noch für Zeiten, als wir mit dem Überweisungsformular zum Schalter unserer Hausbank gelaufen sind, um eine Versandbestellung finanziell zu begleichen, eine Stromnachzahlung zu tätigen oder einen Check Bon einzulösen. Die meisten Transaktionen wären ohne direkt in der Bank-Filiale präsent zu sein schier undenkbar gewesen. 
Zwar ist es auch heute nach wie vor möglich, sämtliche Bankgeschäfte vor Ort auszuführen, die Mehrzahl der Kunden präferiert es jedoch längst, jederzeit am Computer zu Hause oder remote per Tablet oder Smartphone-App ihre Konten abzufragen, Daueraufträge einzurichten oder den Handel mit Wertpapieren abzuwickeln. Weiterer Vorteil, der sich bietet: Viele Online-Konten sind oftmals preiswerter als herkömmliche Bankkonten und können direkt übers Internet eröffnet werden.

Digitalisierung auf Überholspur

Doch nicht nur Mobile-Banking allein hat in den vergangenen Jahren den Bankensektor revolutioniert, überhaupt nahm die Digitalisierung des Schweizer Finanzwesens – auch aufgrund der hierzulande lebenden rund 3,7 Millionen Smartphone-Besitzer – rasant an Fahrt auf. «Sie ist mittlerweile in den strategischen Überlegungen der meisten schweizerischen Banken angekommen und stellt einen der wichtigsten Trends im Banking-Bereich dar», sagt Professor Andreas Dietrich, Dozent an der Hochschule Luzern. «Während einige Banken sich als Vorreiter etablieren konnten, reagieren andere Banken erst verspätet auf die neuen Entwicklungen.»

Online-Hypotheken locken mit günstigen Konditionen.

Hypotheken online abschliessen

Egal, ob beim Sparen, Anlegen, Bezahlen, Finanzieren oder Kommunizieren: In allen fünf Bereichen der Digitalisierung ist eine starke Entwicklung erkennbar. Beispielhaft hierfür sind Online-Hypotheken, die vor drei Jahren als völlig neues Geschäftsmodell lanciert wurden und sich inzwischen bei immer mehr Schweizer Banken in der Finanzierungssparte etabliert haben. Kredite bis zu einer Million Schweizer Franken können auf diese Weise vergeben werden. 
Online-Hypotheken punkten gegenüber klassischen Krediten, da der gesamte Prozess inklusive Kreditentscheid online durchgeführt werden kann. Dadurch, dass der Kunde auf der Online-Plattform alle Angaben selbst eingibt, entfallen für die Bank sowohl Beratung als auch ein grosser Teil des administrativen Aufwands, was die Banken dem Kunden in der Regel in Form von interessanten Konditionen weitergeben.
Vor dem Abschluss einer solchen Hypothek sollten jedoch nicht nur günstige Zinsen entscheidend sein, auch ist es empfehlenswert zu schauen, ob im Vertrag versteckte Kosten, wie etwa für Betreibungs- und Grundbuchauszüge, oder auch besondere Kündigungsfristen enthalten sind.

Digitalisiert auf Kundenfang

Darüber hinaus sind in der Schweiz seit einem halben Jahr auch erste Robo-Advisor Modelle im Einsatz. Diese sind in der Lage, Geld basierend auf festgelegten Algorithmen automatisiert anzulegen und sogar aus kleinen Beträgen ein ausgereiftes Portfolio zusammenzustellen. 
Aber auch neueste Entwicklungen im Payment-Bereich sind dabei, sich sukzessive durchzusetzen, so zum Beispiel sogenanntes Peer-to-Peer-Payment für Smartphones. Das Besondere dieser in den Startlöchern stehenden Zahlungsmethode: Sie ermöglicht es Privatpersonen, Beträge bargeldlos rasch untereinander zu überweisen. Ebenfalls kann man in der Schweiz bereits Peer-to-Peer-Kredite vergeben, die direkt unter Privatpersonen als Privatkredite vergeben werden, ohne dass ein Finanzinstitut als Vermittler auftritt. 
Zusätzlich wird die Art der Kommunikation den Bankensektor in den kommenden Jahren weiter revolutionieren. Anstatt sich mit Kunden in der Bank vor Ort zum Beratungsgespräch zu verabreden, setzen immer mehr Geldinstitute auf die Kommunikation per Chat, Videoberatung oder soziale Medien.

Personal Finance Management im Kommen

Ein weiterer Trend beim E-Banking geht laut Professor Andreas Dietrich zum Personal Finance Management – eine zusätzliche Innovation, um Service und gleichzeitig Qualität im Schweizer Bankenwesen auf eine noch höhere Stufe zu stellen: «Dieser digitale Finanzassistent unterstützt die Nutzer dabei, die Kontobewegungen grafisch zu visualisieren, die Finanzen in Form automatischer Buchungskategorisierungen transparenter darzustellen und letztlich besser zu organisieren.» 
Neben der verbesserten Verwaltungs- und Kontrollfunktion der Finanzen sind zumeist auch Budget Tools integriert, welche dabei helfen, gesteckte Budgetziele einzuhalten. «Es ist davon auszugehen, dass in fünf Jahren viele Banken dieses Kundenbindungsinstrument als Standardprodukt anbieten», so der Finanzexperte - und dies nicht nur aufgrund ihrer stetig steigenden Benutzerfreundlichkeit. Denn sowohl Personal Finance Management als auch viele der anderen aufgeführten digitalen Finessen im Finanzbereich punkten aufgrund der hierzulande extrem hoch angelegten Qualitäts- und Sicherheitsbestimmungen. 
Klar ist: Kein Finanzinstitut kann es sich erlauben, eine Transaktion durchzuführen, die am falschen Ort ankommt beziehungsweise Hackern Handlungsspielraum gibt. Genau deshalb stellen die grossen Bankhäuser insbesondere in den Bereichen Datenschutz und -sicherheit umfassende Investitionen an.

Smartphone auf Sicherheit prüfen

Aber auch wir selbst sollten Verantwortung übernehmen und weitreichende Vorsorge treffen: So raten Experten, grundsätzlich alle Sicherheitsvorkehrungen wie beim E-Banking zu Hause zu befolgen. Zum einen gilt es, die Virenschutzsoftware am Smartphone regelmässig zu aktualisieren sowie eine Personal Firewall einzurichten. Zum anderen sollte keine Software aus unbekannten Quellen installiert und die Codesperre des mobilen Gerätes aktiviert werden. Darüber hinaus ist dazu zu raten, die Zugangsdaten wie PIN und TAN nicht auf dem mobilen Gerät abzuspeichern sowie immer die aktuellste Systemversion des mobilen Gerätes zu verwenden – ein weit gefächertes Spektrum an Massnahmen, deren Stellenwert nicht unterschätzt werden sollte, damit uns die Rolle rückwärts, aufgrund von Sicherheitsbedenken zurück zum Bankschalter gehen zu müssen, erspart bleibt.